Öbszenitäten und andere Schweinereien

Novembre 23, 2008


So Freunde, da bin ich wieder.

Nach einer längeren Abwesenheit ist es wieder an der Zeit, unsere Diskussion fortzuführen. Die Zeiten werden härter, die Weltwirtschafts- und Finanzkrise hat uns gezeigt, daß die Luft zum Atmen im Arbeitsleben immer dünner wird. Täglich werden wir medial über die Krisenstimmung in Betrieben, groß und klein, bombardiert. Man spricht von Entlassungen die in die zig-tausende gehen. Richtige- Selbsternannte- und Wichtigkeitsgeile-Experten wetteifern um Zustimmung für ihre Analysen, wobei sich der Eindruck bestätigt, daß es ihnen weniger um eine reelle Situationsanalyse geht, sondern darum ihr geschrumpftes Ego aufzupolieren und ihre Profilneurose zu schärfen.

Hexen und Hellseher haben bis ins hohe Mittelalter im Kaffesatz und in den Innereien von Tieren die Zukunft vorausgesagt, heute nennt man sie “Experten”.

Aber Schwamm drüber.

Die wahrscheinlich einzigen die jetzt Hochkonjuktur haben sind die sogenannten COST-KILLER, angeheuerte “Rausschmeisser“, die die Drecksarbeit für die Firmen machen. Gerät ein Unternehmen ins Schleudern treten sie auf den Plan, ihr Job: das Aussortieren und Loswerden von Arbeitnehmern außerhalb des Sozialplans.

Wir dürfen nicht vergessen: in der Hochfinanz gibt es keine Freundschaften. Man schwimmt unter Haien. Es gibt Leute, die auf ihre Kosten kommen und Karriere machen und solche die es zu nichts bringen (Arbeitnehmer). Der Wettbewerb führt zu einer natürlichen Auslese. Dieser Sozialdarwinismus in der Wirtschaft ist Gewalttätig und Öbszön.

Eigentlich heißt Öbszenität einfach Schamlosigkeit und wurde auf das Sexuelle bezogen, aber bei der letzthin veranstalteten Orgie von Gier und Geldgeilheit drängen sich Begriffe wie Dekadenz, Barberei, Inhumanität, Korruption, Regression und Perversion auf.

Und nimmt man Freuds alte Diagnose hinzu, daß Verlust von Scham Schwachsinn befördere, so gibt es wenig Anlass zur Zuversicht.


Intrige oder “Angriff ist die beste Verteidigung”

Ottobre 26, 2008


Carl von Clausewitz, preußischer General und Begründer der modernen Kriegsführung hat in seinem Werk “Vom Krieg” folgende Überlegung postuliert: Gehe dem größten entscheidensten Zweck nach, welchen du zu erreichen vermögest, wähle den kürzesten Weg dazu, den du dich zu gehen getraust, das heißt: die Wahl des Zwecks hängt von der individuellen Meinung ab und letztlich von intuitiven Können, was wiederum heißt: Unternimm keine Versuche, ein Problem zu lösen, ohne zur Überzeugung gelangt zu sein es auch lösen zu können. Prüfe gute Ratschläge von Freunden oder Außenstehenden auf seine Konsistenz.

Dafür gibt es eine Faustregel: Frage deinen Ratgeber, ob er seinen Rat ohne Vorbehalt mit sich selbst anwenden würde. Kommt sein Redefluss ins Stocken oder beginnt er zu stottern, dann gehe davon aus, daß der “gutgemeinte Ratschlag” nichts taugt, denn um nochmals Clausewitz sprechen zu lassen, es ist vergebens, daß man einem furchtsamen Menschen einen kühneren Kalkül vormacht, als der seinige ist; für ihn ist der seinige viel wahrer.

Fazit: Mut ohne Überzeugung bringt dich geradewegs in die Hölle.

Gut, aber nun zum praktischen Teil unserer Strategie. Wie wir im vorhergehenden Text (Die Intrige oder der Feind meines Feindes ist mein Freund) gesehen haben, ist es bei Mobbingattacken und Intrigantentum äußerst wichtig sich mit Freunden zu umgeben, denen man Vertrauen kann und die dich schützen.

Aber damit ist es nicht getan, wir brauchen nun einen Plan, um einer Konfliktsituation entgegenzuwirken.

Dazu muß ich mir zuerst einen Gesamtüberblick verschaffen, das heißt:

-  Mit wem habe ich überhaupt Probleme (es können eine oder
   mehrere Personen sein)?
-  Wo liegen diese Konflikte?
-  Wer sind die Personen auf die er zählen kann?
-  Auf wen kann ich zählen (sichere Freunde)?
-  Welche Position nehmen der/die Vorgesetzten ein?
-  Wer verhält sich und bleibt neutral (sehr wichtig)?
-  Habe ich die Möglichkeit den Zeitpunkt der Konfliktaustragung
   zu steuern?
-  Was kann ich beisteuern, um den Konflikt zu entschärfen?

Wenn ich von den vorliegenden Fragen drei bis vier als besonders wichtig erachte, kann ich davon ausgehen, die Lage unter Kontrolle zu haben. Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß der Mensch nicht mehr als drei bis vier Beobachtungspunkte gleichzeitig unterhalten kann ohne sich heillos zu verzetteln.

Besonders wichtig ist, daß nicht alle Probleme gleichzeitig ausbrechen oder gleichzeitig zur Lösung drängen.

Sollte es aber trotzdem dazu kommen, bereinigt man den Konflikt auf kürzestem Weg und scheut nicht den offenen Krieg.


Die Intrige oder “der Feind meines Feindes ist mein Freund”

Ottobre 14, 2008


So, liebe Freunde, nun ist der Augenblick gekommen, die Funktion des “Freundes” in einer Konfliktsituation genauer zu durchleuchten. Wie wir bereits wissen, wird der Intrigant oder Mobber als erste Maßnahme den Versuch unternehmen, im Umfeld seines Opfers “terra bruciata“, das heisst: verbrannte Erde zu hinterlassen. Nur, wenn das Opfer oder Angriffsziel weitgehend isoliert wird, ist die Chance von Seiten des Angreifers groß, sein gewünschtes Ziel, die Vernichtung, Eliminierung, das Kaltstellen des ins Visier genommenen Gegners zu erreichen.

Darum verlangt ein solches Szenario höchste Wachsamkeit. Wachsamkeit, um einen Hieb aus dem Hinterhalt rechtzeitig zu erkennen und die Abwehr planen zu können. Abgesehen vom rechtzeitigen Erkennen eines Angriffs gibt es noch einen weiteren elementaren Punkt, den es zu beachten gilt, nämlich das “Wissen” um meine Schwachstellen. Jeder von uns hat eine Stelle, eine Flanke, an der er besonders verwundbar ist. Leider fällt es uns oft schwer, solche Weichstellen zu lokalisieren, und wenn es gelingt, sie zu akzeptieren. Solche Weichstellen können sein: leutseeliges Vertrauen (nur ein Narr schenkt sein Herz jedem der vorüber geht), Seelenstriptease (Preisgabe von persönlichen und intimen Begebenheiten, in der irrigen Annahme mein “Beichtvater” wird es schon für sich behalten), Selbstverliebtheit und Egotrip (schon Narziss fiel damit kräftig auf die Schnauze). Alles im allem, schwere Munition in den Händen des Intriganten, die er ohne Skrupel auch einsetzen wird, beginnend mit Klatsch und Tratsch, bis hin zu brutaler Denunziation. Gelingt es mir nicht, diese Schwachstellen im eigenen Verhalten in den Griff zu bekommen oder sie zu ändern, bleiben mir noch zwei weitere Hilfsmittel. Zum einen die Panzerung der Weichstellen durch Freunde oder im Falle von Mobbing, das rechtzeitige Einschalten von übergeordneten Stellen. Vorsorge und Panzerung sind die besten Verteidigungsmittel.

Aber nun zu den Freunden. Es dürfte jedem einigermaßen klar sein, daß Freund nicht gleich Freund ist. Wir müssen an dieser Stelle unterscheiden zwischen aufrichtigen Freunden (basiert auf Vertrauen und Respekt) und Bundesgenossen, Verbündeten nach dem Motto: “der Feind meines Feindes ist mein Freund”. Deshalb gilt hier: “TRAU-SCHAU-WEM“.

Gute und kluge Freunde werden mich verteidigen, auch um den Preis selbst in Schwierigkeiten zu geraten, aber vor allem kann ich sicher gehen, nicht an das Messer geliefert zu werden.

Bundesgenossen und Verbündete sind sogenannte fließende Freundschaften nach dem Motto: “Alles fließt dahin” auch Freundschaften.

In beiden Fällen gilt aber die Devise, die Pflege solcher Freundschaften müssen ständig kultiviert werden, sonst läuft man Gefahr zu scheitern.

Nächstes mal gehen wir zum Angriff über. Bis dann!


Die Intrigen oder… “Wie grabe ich dir das Wasser ab”

Ottobre 2, 2008


Wenn ich mir die Zugriffe auf diesen Blog betrachte, sehe ich, daß das Thema “Intrige” besonders oft gewählt wird. Dies kann nur bedeuten, daß einige von euch in irgendeiner Form bereits Bekanntschaft mit dieser Handlungsweise gemacht haben. Aus diesem Grunde will ich heute dieses Thema nochmals aufgreifen.

Im letzten Text (Der Intrigant) habe ich bereits die Rolle der Intrige als Mittel der Konfliktlösung in der Geschichtschreibung und Literatur kurz skizziert. Die Gebrüder Grimm benutzten dieses dramatische Mittel in ihren Märchen, wir finden sie in Heldensagen, Tragödien, Komödien und in “soap operas”. Selbst in der Bibel wird die Intrige im 9. Gebot als Verleumdung erwähnt.

Tragische Gestalten, die der Intrige zum Oper fielen, finden wir in der griechischen Mythologie bei Odysseus gegen Palamedes, im Alten Testament bei Samson und Delilah, im Alten Rom bei Julius Cäsar und seinen Senatoren. Maria Stuart fiel einer Intrige ihrer Cousine Elsabeth zum Opfer, es kostete ihren Kopf. Der Fürst (Cesare Borgia) und sein nicht minder berüchtigter Vater (Papst Alexander VI) trieben Heuchelei und Täuschung bis zur Vollendung.

Bis in die heutige Zeit herauf ist die Intrige ein Instrument um den Gegner auszutricksen, Schach-matt zu setzen, zu verleumden, verunglimpfen und denunzieren. Und wird mal einer erwischt, wie es dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Nixon in der Watergate Affäre ergangen ist, werden solche Techniken als inoperative (unwirksam) bezeichnet, was so viel bedeutet, daß getrickst und gelogen wurde. Nicht die Intrige und die Unwahrheit, sondern daß mit diesem Verhalten keine Zustimmung zu erreichen war, machte sie inoperative. Ob es moralisch verwerflich, wahr oder Lüge war, stand überhaupt nicht zur Debatte.

Ein eklatantes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist die eines bekannten deutschen Politikers, der sich vor einem Jahr um einen hohen Posten in seiner Partei bewarb. Da er in der Bevölkerung eine gewissen Grad an Beliebtheit genoss, waren seine Chancen gar nicht schlecht, diese Parteifunktion übernehmen zu können. Weil aber seine Genossen bereits entschieden hatten, wer dieses prestigeträchtige Amt übernehmen sollte und er sich nicht überreden ließ, seine Kanditatur zurück zu ziehen, wurden Gerüchte über sein Privatleben gestreut, die prompt von der Boulevardpresse aufgegriffen ihn in eine unhaltbare Situation brachte. Seine Karriere in der Parteipoltik war vorerst zu Ende. Der Mann hat einen Fehler gemacht (bekanntlich macht jeder Mensch Fehler), aber diese triviale Wahrheit haben seine Gegner genutzt um ihn “auflaufen” zu lassen. Inwieweit er nachträglich von seinen “Freunden” noch verhöhnt wurde nach dem Motto “Tut mir leid, aber die Parteiraison, du weißt ja….entzieht sich meiner Kenntnis.“

Übrigens: In drei Wochen müßte diese Person den vor einem Jahr durch Intrige verlorengegangen Posten übernehmen können. Das Sprichwort: “Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein” hat sich hier bestätigt. Wir wünschen ihm viel Erfolg.

Aber nun zurück zu uns. Wie wir gesehen haben, kann der Satz “Jeder macht mal einen Fehler” nicht nur “menschlich” sondern unter Umständen “tödlich” sein, besonders dann, wenn euch keine echten Freunde zur Seite stehen oder bei zu viel Vertrauensseligkeit.

Aber davon das nächste mal!


Der Intrigant

Luglio 9, 2008


Hand aufs Herz.
Wer hat noch nie von Intrigen, Intriganten gehört oder gelesen, kennt einen im Büro oder hat nicht selbst mal aus der Not heraus eine Intrige gesponnen. Nun, da sind wir in bester Gesellschaft. Die gesamte Weltliteratur hätte ohne Intrige kaum Erfolge erzielt: von Homer bis Shakespeare und Arthur Miller…  ohne die Intrige wären ihre Werke keinen Pfifferling wert.

Die Geschichte ist voll davon: von der Antike hin zum Mittelalter bis in die Neuzeit, immer wurde intrigiert und denunziert. Macchiavelli, der Fürst und absolute Befürworter der Intrige sagt, man stoße fortwährend auf schlechte Menschen, daher müsse man auch selbst “zweckmäßig” handeln. Dies widerspricht zwar unserer christlichen Ethik, die die (beschämend) gute Tat als Antwort auf die böse Tat fordert.

“Ein Mensch der immer nur Gutes tun wollte, muß zugrunde gehen unter so vielen, die nicht gut sind. Daher muß der Fürst, der sich behaupten will, auch imstande sein, nicht gut zu handeln und das Gute tun und zulassen, wie es die Umstände erfordern.”  Diese bittere Aussage entspricht, wenn wir uns umsehen, der allmeinen Erfahrung – so ist das tägliche LEBEN.

Im täglichen Leben, auf der Arbeitstelle, im Privatleben oder im Freundeskreis erscheint uns der Intrigant jedoch anders. O Gott, das soll nicht heißen, daß er nicht die eine oder andere “klassische” Eigenschaft hätte. Wichtig ist aber, daß er uns nicht als Bösewicht entgegentritt, sondern als ganz normaler Mensch. Ein Mann/Frau der sich im Falle eines Konfliktes gelegentlich eines Tricks bedient, um seinen Gegener auf die Matte zu legen und eine alte Rechnung zu begleichen. Er würde zwar die offene Auseinandersetzung vorziehen, aber das hängt nicht nur vom möglichen Sieg ab, sondern auch von seiner gesellschaftlichen Umwelt. Wenn er sich trotzdem für die Ränke entscheidet, so deshalb, weil der erhoffte Erfolg das Risiko rechtfertigt.

Aber reden wir von jenen fiesen Typen, deren Hemmungen geringer sind und die skrupelloser vorgehen. Sie sind von ihrem Wesen her feige und ihre mangelnde Intelligenz läßt sie Bedenken rasch überwinden. Wenn solch ein Typus Mensch in ein System eintritt, das bisher seine Konflikte vorwiegend fair ausgetragen hat, kann dies das bisherige Klima regelrecht vergiften. Denn er braucht Vasallen um sich, die ihn beschützen und helfen, so daß sich im Spiel der Kräfte regelrecht Cliquen bilden, die sich mit einem umfangreichen Protektionssystem schützen. In solchen Gruppen rutscht die moralische Haltung auf den gemeinsamsten Nenner ab.

Es ist schon erstaunlich, welchen Einfluss solche “Spinnen im Netz” sich verschaffen, ohne daß das von vorneherein durchschaut wird. Für die Intrigenverseuchung von Sozialkörpern ist das Verständnis wichtig, wie ein normaler Mensch zum Intriganten wird. Oft läßt ihm das gesellschaftliche Umfeld keine Wahl. Die Ansteckung und das Mitschwimmen lassen Skurpel überwinden. Da den normalen Menschen oft die Raffinesse fehlt, wählen sie einfache Tricks. Die “Verleumdung” des Widersachers spielt dabei die Hauptrolle.

Hand aufs Herz: Welche Rolle spielen sie in ihrem Bereich?