Law and Order oder: Die Polizei, dein Freund und Helfer

Settembre 20, 2008


Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich einige Sachverhalte richtig stellen. Freunde im Blog haben mich (zurecht) darauf hingewiesen, dass ich den Begriff “Helfer” immer nur in eine berufliche Richtung gebrauche, nämlich bei den “klassischen” Helferberufen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Dabei gibt es in allen Dienstleistungsbereichen Menschen, die es als ihre Aufgabe ansehen, an ihrem Arbeitsplatz unterstützend auf Bedürfnisse ihrer Klientel mit nützlichen Informationen und fürsorglicher Aufmerksamkeit zu reagieren. Sie stellen auf dem Dienstleistungssektor zwar eine Minderheit dar, sind aber trotzdem Personen die den Sinn ihrer Arbeit darin sehen, anderen zu helfen. In Berufen wie Sekretärinnen, Telefonistinnen, Verkäufer, Computerfachleuten, Juristen, Polizisten und sogar, man höre und staune, Finanzbeamte finden wir diesen Typus Mensch.

Heinz Erhardt der bekannte deutsche Komiker und Kabbaretist hat in einen seiner Filme diesen Helfer-Typ des Finanzbeamten in seiner Rolle als Willi Winzig besonders zur Geltung gebracht. Er sah es als seine Aufgabe und Pflicht, den einfachen Bürgern im Dschungel der Finanzbürokratie zu helfen… dabei ist er natürlich von einem Fettnäpfchen ins andere getreten.

Sekretärinnen und Telefonistinnen die ihrem Chef Arbeiten abnehmen oder “Belastungen vermindern wollen” sind für jede Führungskraft Gold wert. Alles im allen, Menschen die mit Menschen zusammenarbeiten wollen, die lebendig, begeisterungsfähig und hilfsbereit sind.

Zu diesen Personenkreis zähle ich auch die Polizei(beamten) und damit wäre ich beim eigentlichen Thema von heute. Mein Interesse fiel deshalb auf diese Berufsgruppe, weil in letzter Zeit viel in der Öffentlichkeit diskutiert wird, nicht in Bezug auf die Verbrechensbekämpfung bzw. Aufklärung von Verbrechen, sondern der sinnlosen Gewaltanwendung einzelner Gesetzeshüter gegenüber dem Bürger und insbesonders innerhalb der Truppe selbst. Es geht mir hier nicht um eine irgendwelche Anschuldigung an die Exekutive irgendeines Staates, denn der Polizist in Sizilien hat dieselben Aufgaben zu erledigen wie sein Kollege in Kiel oder Wien, Paris, New-York und Moskau. Die Bestimmungen können von Land zu Land unterschiedlich sein, die Aufgaben bleiben aber dieselben, nähmlich dem Gesetz Geltung zu verschaffen.

Was aber wenn Gesetzeshüter selbst Gesetze brechen? Was, wenn Polizisten die eigene Kollegen mobben? Was, wenn Vorgesetzte ihre Untergebenen verprügeln oder vergewaltigen?

Weshalb tut sich die dafür vorgesehene Dienstaufsichtsbehörde schwer solche Fälle zu ahnden?

Weshalb bleiben solche Figuren weiterhin im Dienst, wenn das Image des ganzen Polizeikorps auf dem Spiel steht?

Fragen die nicht nur ich mir stelle, aber auch jeder interessierte Bürger. Keiner will zufällig am falschen Ort zur falschen Zeit sein und Bekanntschaft mit dem Schlagstock eines Polizisten machen.

Es geht mir auch nicht darum ein Psychogramm eines durchgeknallten “Cops” zu erstellen. Ich möchte verstehen wie sich physische, psychische und soziale Faktoren (Reizüberflutung, Fremdbestimmung, Konflikte usw.) sich auf ihre Arbeit auswirken. Ich habe versucht mich “klug” zu machen und dabei einige interessante Aspekte gefunden, die einen Hinweis geben könnten auf die oben gestellten Fragen.

Polizisten die (anonym) befragt wurden gaben folgende Einschätzung zu ihrer Arbeitssituation an:

1.      Ihre Leistung wird nach quantitativen und nicht qualitativen Kriterien bemessen.

2.      Hilfe ist nicht nur schwer meßbar, sondern kann sogar von Nachteil für die Arbeitsbewertung sein.

3.      Verbrechensvorbeugung hat Vorrang, aber ist nicht meßbar, daß heißt, es gibt keine Möglichkeit nachzuweisen, ob ein Polizist seiner Aufgabe nachkommt oder nicht.

4.      Jemand der seinen Bezirk sorgfälltig überwacht, hat weniger Festnahmen zu Buche stehn. Die kann in den Augen seiner Vorgesetzten als Leistungsabfall bewertet werden.

5.      Polizisten stehen unter ständigen Druck von “Quoten” (Verbrechensaufklärung)

6.      Beamte konkurieren untereinander um Spitzenbewertungen, sprich: Beförderung und Statusgewinn.

7.      Man ist gezwungen Handlungsweisen zu tolerieren, um bei seinen Vorgesetzten Sympathien zu gewinnen.

Dies sind nur einige der Kritikpunkte, die von Beamten (der unteren Befehlskette – Streifenpolizisten-Bezirkspolizisten) vorgebracht wurden.

Sie bemängeln, daß ihre Vorgesetzten-Experten-Bürokraten objektive, meßbare Richtlinien festlegen, die konkrete Hilfsleistungen nicht belohnen, auch wenn dadurch die Ziele der Organisation erreicht werden.

Sollte ein Beamter solche Beschwerden an die Öffentlichkeit bringen, muß er mit harten Disziplinarmaßnahmen rechnen. Die können gehen von sofortiger Suspendierung bis hin zur Entlassung aus dem Dienst. Die Motivation solcher Maßnahmen von Seiten der Führung ähnelt im großen und ganzen denen aller Beamtenorganisationen, nämlich: Insubordination, grobe Verletzung des Dienstrechts und Schaden am Image der Organisation, wobei beim letzten Punkt zu hinterfragen wäre in wie weit dabei nicht zunächst an das eigene Image gedacht wird, denn Kritik, besonders berechtigte, könnte die eigenen Karrierechancen stark beeinträchtigen.

In vielen Fällen aber, spielt die Fähigkeit oder Unfähigkeit des Beamten-Vorgesetzten keine Rolle, weil seine Aufgabe nutzlos ist, gleich wer sie wahrnimmt. Ein echter Bürokrat versteht eine Beförderung als Belohnung, nicht als Gelegenheit, mehr zu leisten und solange Bürokraten für die Beurteilung ihrer eigenen Leistung und der ihrer Abteilung zuständig sind, ist mit keiner Veränderung zu rechnen.

Auch wenn innerhalb einer Behörde organisatorische Veränderungen vorgenommen werden, ändert das kaum etwas an ihrem äußeren Erscheinungsbild. Besonders Polizeiorganisationen haben mit diesem Image zu kämpfen.

 


Dienen!

Agosto 22, 2008


Letztes Mal habe ich den Text eines Liedes der Gruppe Ich + Ich mit dem Titel “Dienen” in den Blog gestellt, den ich heute ausführlicher kommentieren möchte. Ich finde den Text deshalb so wunderbar, weil er ein Thema anspricht, wo wir alle irgendwie in irgend einer Form, ob beruflich oder privat, mal damit zu tun haben.

In der Arbeit, im Privatleben, in der Liebe dienen wir irgendwem und doch fällt es vielen schwer zuzugeben, dass ich Mann vor meiner Frau schon mal in die Knie geh und sie um Verzeihung bitte, dass ich Arbeiter mich bei meinem Chef einschleime, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, dass ich Verliebter mich bei meiner Angebetenen zum Affen mache, dass ich Sklave meiner Uhr bin.

Jedes Jahr beginnen Tausende von Menschen eine Tätigkeit, um anderen zu “dienen”.
Besonders die helfenden Berufe und ihre Arbeit beeinflussen unser Leben, unsere Gefühle und Entwicklung. Wer einen helfenden Beruf ergreift, hat gewöhnlich altruistische Motive. Er möchte anderen dienen, aber nicht nur, sie möchten auch einen Beitrag leisten, um die Welt “besser” zu machen.

Diese Dienerhaltung kann aber auch seine Anziehungskraft verlieren, wenn Idealismus und Engagement verloren gehen, wenn an die Stelle von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, Stechuhrmentalität und Zeitdruck das sagen haben. In den USA hat eine Umfrage bei Patienten an einem großen Krankenhaus ergeben, dass 90% der Befragten den Ärzten und Krankenschwestern mangelndes “Mitgefühl” bescheinigten und dass nur noch die Aufseher am industriellen Fließband als noch weniger empathisch eingeschätzt wurden.

Zu oft werden Patienten als “Krankheitsträger” oder “Problemträger” und nicht als Menschen, in einer gesundheitlichen Krise betrachtet. Wer nun meint dies könnte in Europa nicht passieren, der irrt. Der bürokratische Konformismus hat bereits dafür gesorgt dass “wirtschaftliche Überlegungen” die Kluft zwischen Verwaltungsexperten, Statistikern, Ökonomen und professionellen Praktikern vertieft.

Wenn weniger Hilfsbereitschaft und Engagement gezeigt wird, dann nimmt auch die Qualität ab, und Qualitätssicherung wird nur mehr zu einer leeren Floskel, dann bist du wirklich nur mehr Dreck für “Niemand”, weil “Niemand” mehr auf dich scheißt.


Burn Out 2

Luglio 22, 2008


Wie ich im letzten Artikel bereits angedeutet habe, gibt es kaum einen Beruf, in dem nicht die Gefahr des Ausbrennens besteht. Dabei sind bürokratische Organisationen besonders anfällig, wo er durch 3 Faktoren beeinflußt wird: Überlastung, Mangel an Autonomie und Mangel an Belohnung. Zur Präzision sei gesagt, dass sowohl Menschen in öffentlichen wie privaten Organisationen vom “Ausbrennen” bedroht sein können.

Bevor wir aber zum Kern des Themas kommen, möchte ich einen kurzen Blick zurückwerfen, an die “Anfänge” des Bürokratismus. Woher stammt er? Und was bedeutet er?

Nun, das Wort “bureau” stammt aus dem Französischen des 17. jahrhunderts und wird als Amts- oder Arbeitszimmer bezeichnet, im weiteren Sinn auch eine Abteilung oder Dienststelle. Im Grunde war es nur ein Schreibtisch und aus jenem Schreibtisch wurde grob vereinfacht eine Behörde, hierarchisch gegliedert, und die Macht des Büros wurde als Bürokratie bezeichnet. Es wurden Beamte gewählt, die sogenannten Bürokraten, strenge Vorschriften erlassen und genau definierte Zuständigkeiten festgelegt. Je zahlreicher die Vorschriften wurden desto größer und aufgeblähter wurde der Apparat. Diese Verwaltungsstruktur wurde exportiert und blüht nun auf der ganzen Welt.

Heute sind bürokratische Organisationen selbst von Experten kaum mehr durchschaubar. Wenn man Menschen in solchen großen Gebilden befragt wie es ihnen nun geht, so hört man übereinstimmend, dass Zeitdruck, Aufgabenüberlastung und Hetze in Beruf und Freizeit die Hauptstressoren sind. Das Gefühl des permanenten Gestresstsein, der Überbeanspruchung, der Überforderung und der, zwischen vielen Möglichkeiten sich entscheiden müssen, nagt an der Psyche.

Große Organisationen sind oft mit starrer Hierarchie ausgestattet und wer auf der unteren Ebene dieser Hierarchie beginnt, ist gewöhnlich noch nicht gezwungen, sich zwischen Mut und Entscheidungsfreude einerseits und Untentschlossenheit und Feigheit anderseits zu entscheiden. Doch wenn er anfängt, die Leiter emporzuklettern, neigt er, von oben nach unten anzuordnen, wenig Verantwortung zu delegieren und möglichst viel zu kontrollieren. Mitarbeiter fühlen sich in solchen Systemen ausgeliefert und entmündigt.

Es fehlt auch häufig an Wertschätzung von Mitarbeitern. Beförderung und Gehaltserhöhung hängen von undurchschaubaren Beurteilungen ab. Unabhängigkeit, Entscheidungsfreude und jede Form spontanen Handelns werden reglementiert und bringen Gefahr.

Versucht jemand, sich über den Amtsschimmel hinwegzusetzen, wird ihm vorgeworfen “seine Befugnisse zu überschreiten”, “seine Vorgesetzten zu übergehen”, “den Rahmen der geltenden Richtlinien zu verlassen” oder “gegen seine Treuepflicht zu verstoßen”.

Unter diesen Bedingungen entstehen auf der einen Seite unmotivierte, passive, niedergeschlagene und von Selbstzweifel geplagte Mitarbeiter, die meinen für den Mißerfolg selbst schuld zu sein und auf der anderen Seite die wahren Bürokraten, autoritätshörig und ihren Vorgesetzten bedingungslos gehorchsam, aalglatte Langeweiler, dümmlich grinsende Aussitzer und feige Schleimer, die das ganze Gewicht ihrer Autorität, denen gegenüber zur Geltung bringen, die von ihnen abhängig sind – letztlich denen, die die Öffentlichkeit bilden.


Ironische Distanzierung als Flucht aus der Routine

Maggio 28, 2008


Die Abwertung von Arbeit und Leistung macht die Leistung und die fachliche Kompetenz zunehmend IRRELEVANT. Die Entwertung der Arbeit verleitet die Menschen als einzige Alternative zu “Langeweile und Verzweiflung”, ihre Arbeit mit selbstkritischer Distanzierung zu betrachten. Wenn Arbeit zum bloßen Rollenspiel entartet, versucht der Arbeitende, ob am Fließband oder einen hochbezahlten Job in der Bürokratie, dem aufkommenden Gefühl der eigenen Belanglosigkeit zu entrinnen, indem er sich “eine ironische Distanz zur Alltagsroutine” schafft. Er bemüht sich das Rollenspiel in eine symbolische Erhöhung des Alltagsleben zu verwandeln… er sucht Zuflucht bei Witzen, Spott und Zynismus.

Zynische Distanziertheit wird zum beherrschenden Modus des alltäglichen Umgangs!

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