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Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, möchte ich einige Sachverhalte richtig stellen. Freunde im Blog haben mich (zurecht) darauf hingewiesen, dass ich den Begriff “Helfer” immer nur in eine berufliche Richtung gebrauche, nämlich bei den “klassischen” Helferberufen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Dabei gibt es in allen Dienstleistungsbereichen Menschen, die es als ihre Aufgabe ansehen, an ihrem Arbeitsplatz unterstützend auf Bedürfnisse ihrer Klientel mit nützlichen Informationen und fürsorglicher Aufmerksamkeit zu reagieren. Sie stellen auf dem Dienstleistungssektor zwar eine Minderheit dar, sind aber trotzdem Personen die den Sinn ihrer Arbeit darin sehen, anderen zu helfen. In Berufen wie Sekretärinnen, Telefonistinnen, Verkäufer, Computerfachleuten, Juristen, Polizisten und sogar, man höre und staune, Finanzbeamte finden wir diesen Typus Mensch.
Heinz Erhardt der bekannte deutsche Komiker und Kabbaretist hat in einen seiner Filme diesen Helfer-Typ des Finanzbeamten in seiner Rolle als Willi Winzig besonders zur Geltung gebracht. Er sah es als seine Aufgabe und Pflicht, den einfachen Bürgern im Dschungel der Finanzbürokratie zu helfen… dabei ist er natürlich von einem Fettnäpfchen ins andere getreten.
Sekretärinnen und Telefonistinnen die ihrem Chef Arbeiten abnehmen oder “Belastungen vermindern wollen” sind für jede Führungskraft Gold wert. Alles im allen, Menschen die mit Menschen zusammenarbeiten wollen, die lebendig, begeisterungsfähig und hilfsbereit sind.
Zu diesen Personenkreis zähle ich auch die Polizei(beamten) und damit wäre ich beim eigentlichen Thema von heute. Mein Interesse fiel deshalb auf diese Berufsgruppe, weil in letzter Zeit viel in der Öffentlichkeit diskutiert wird, nicht in Bezug auf die Verbrechensbekämpfung bzw. Aufklärung von Verbrechen, sondern der sinnlosen Gewaltanwendung einzelner Gesetzeshüter gegenüber dem Bürger und insbesonders innerhalb der Truppe selbst. Es geht mir hier nicht um eine irgendwelche Anschuldigung an die Exekutive irgendeines Staates, denn der Polizist in Sizilien hat dieselben Aufgaben zu erledigen wie sein Kollege in Kiel oder Wien, Paris, New-York und Moskau. Die Bestimmungen können von Land zu Land unterschiedlich sein, die Aufgaben bleiben aber dieselben, nähmlich dem Gesetz Geltung zu verschaffen.
Was aber wenn Gesetzeshüter selbst Gesetze brechen? Was, wenn Polizisten die eigene Kollegen mobben? Was, wenn Vorgesetzte ihre Untergebenen verprügeln oder vergewaltigen?
Weshalb tut sich die dafür vorgesehene Dienstaufsichtsbehörde schwer solche Fälle zu ahnden?
Weshalb bleiben solche Figuren weiterhin im Dienst, wenn das Image des ganzen Polizeikorps auf dem Spiel steht?
Fragen die nicht nur ich mir stelle, aber auch jeder interessierte Bürger. Keiner will zufällig am falschen Ort zur falschen Zeit sein und Bekanntschaft mit dem Schlagstock eines Polizisten machen.
Es geht mir auch nicht darum ein Psychogramm eines durchgeknallten “Cops” zu erstellen. Ich möchte verstehen wie sich physische, psychische und soziale Faktoren (Reizüberflutung, Fremdbestimmung, Konflikte usw.) sich auf ihre Arbeit auswirken. Ich habe versucht mich “klug” zu machen und dabei einige interessante Aspekte gefunden, die einen Hinweis geben könnten auf die oben gestellten Fragen.
Polizisten die (anonym) befragt wurden gaben folgende Einschätzung zu ihrer Arbeitssituation an:
1. Ihre Leistung wird nach quantitativen und nicht qualitativen Kriterien bemessen.
2. Hilfe ist nicht nur schwer meßbar, sondern kann sogar von Nachteil für die Arbeitsbewertung sein.
3. Verbrechensvorbeugung hat Vorrang, aber ist nicht meßbar, daß heißt, es gibt keine Möglichkeit nachzuweisen, ob ein Polizist seiner Aufgabe nachkommt oder nicht.
4. Jemand der seinen Bezirk sorgfälltig überwacht, hat weniger Festnahmen zu Buche stehn. Die kann in den Augen seiner Vorgesetzten als Leistungsabfall bewertet werden.
5. Polizisten stehen unter ständigen Druck von “Quoten” (Verbrechensaufklärung)
6. Beamte konkurieren untereinander um Spitzenbewertungen, sprich: Beförderung und Statusgewinn.
7. Man ist gezwungen Handlungsweisen zu tolerieren, um bei seinen Vorgesetzten Sympathien zu gewinnen.
Dies sind nur einige der Kritikpunkte, die von Beamten (der unteren Befehlskette – Streifenpolizisten-Bezirkspolizisten) vorgebracht wurden.
Sie bemängeln, daß ihre Vorgesetzten-Experten-Bürokraten objektive, meßbare Richtlinien festlegen, die konkrete Hilfsleistungen nicht belohnen, auch wenn dadurch die Ziele der Organisation erreicht werden.
Sollte ein Beamter solche Beschwerden an die Öffentlichkeit bringen, muß er mit harten Disziplinarmaßnahmen rechnen. Die können gehen von sofortiger Suspendierung bis hin zur Entlassung aus dem Dienst. Die Motivation solcher Maßnahmen von Seiten der Führung ähnelt im großen und ganzen denen aller Beamtenorganisationen, nämlich: Insubordination, grobe Verletzung des Dienstrechts und Schaden am Image der Organisation, wobei beim letzten Punkt zu hinterfragen wäre in wie weit dabei nicht zunächst an das eigene Image gedacht wird, denn Kritik, besonders berechtigte, könnte die eigenen Karrierechancen stark beeinträchtigen.
In vielen Fällen aber, spielt die Fähigkeit oder Unfähigkeit des Beamten-Vorgesetzten keine Rolle, weil seine Aufgabe nutzlos ist, gleich wer sie wahrnimmt. Ein echter Bürokrat versteht eine Beförderung als Belohnung, nicht als Gelegenheit, mehr zu leisten und solange Bürokraten für die Beurteilung ihrer eigenen Leistung und der ihrer Abteilung zuständig sind, ist mit keiner Veränderung zu rechnen.
Auch wenn innerhalb einer Behörde organisatorische Veränderungen vorgenommen werden, ändert das kaum etwas an ihrem äußeren Erscheinungsbild. Besonders Polizeiorganisationen haben mit diesem Image zu kämpfen.
Pubblicato da Meinrad
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