Empathie oder wie werde ich ein (Mit)fühlender Mensch

Settembre 5, 2008


Nun, wird sich so mancher fragen, was will er damit sagen. Ist doch völlig klar, Empathie bedeutet “Einfühlungsvermögen”, in Übereinstimmung mit den emotionalen Bedürfnissen der Klienten oder Patienten oder wenn man will auch die Fähigkeiten des “Mitleidens”.
Dies gehört heute zum Handgebäck nicht nur der helfenden Berufe sondern auch jedes mittelmäßigen “Talk-Show-Moderators”, der ungeniert Mitgefühl heuchelt, wobei allen klar ist, daß ihm das “Schicksal” seines gegenüber so wenig interessiert wie die Fussabdrücke eines Dinosauriers in Californien.

Früher, und ich spreche nicht von der guten alten Zeit, sondern in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde von uns verlangt dem Bauchgefühl zu folgen, der “Nase” (Instinkt), der Intuition und der Beobachtungsgabe. Es war eine Hilfe seine Sensibilität zu bewahren. Heute werden in den akademischen Ausbildungsstätten Standards für das erstellt, was unter “zugewandter Hilfsbereitschaft” zu verstehen ist (siehe oben).

Nicht daß dies falsch wäre, im Gegenteil, ich finde es förderlich für Berufsanfänger, wenn Fragen der Kommunikation in die Ausbildung aufgenommen wird. Es kann aber passieren, daß eben jene Ausbildung “Konfusion” erzeugt oder wie es Watzlawick definiert: Wenn ein sogenannter erfolgreicher Kommunikationsvorgang in der korrekten Übermittlung von Informationen besteht und damit die beabsichtigte Wirkung auf den Empfänger hat, so ist Konfusion die Folge gescheiterter Kommunikation und hinterläßt den Empfänger in einem Zustand der Ungewissheit oder eines Missverständnisses.

Auf gut deutsch: Man wollte zugewandt sein und hat dabei das Gegenteil erreicht.
Der Nobelpreisträger Karl von Frisch hat es anhand der komplexen Sprache der Bienen untersucht und herausgefunden, daß zwei Bienenarten, nämlich die österreichische und die italienische zwar sich kreuzen und friedlich zusammenleben und arbeiten können, daß sie aber verschiedenen “Dialekte” sprechen und Entfernungsangaben (vom Stock) verschiedene Bedeutungen haben. Die italienische Biene verwendet den Schwänzeltanz zur Angabe von Entfernungen über 40 Meter, während für die österreichische dasselbe Signal eine Entfernung von mindestens 90 Metern bedeutet. Damit können sich beide Bienenarten nicht auf die Informationen der anderen verlassen. Dieses Kommunikationsverhalten führt zu babylonischen Verwirrungen.

Und eben diese Verwirrungen können auch mit dem Begriff “Empathie” entstehen.
Der amerikanische Philosoph und Theologe Sam Keen hat meines Erachtens sehr dazu beigetragen, dieses Gewirr von verschiedenen Deutungen zu entflechten, indem er die Einfühlung zu den Elementen zählt die besonders häufig übersehen und mißverstanden und oft mit ihren Vettern – Sympathie und Mitgefühl -verwechselt werden.

Sympathie, schreibt er, ist ein warmes Gefühl und schließt eine gemeinsame Wellenlänge ein, während zum Mitgefühl ein intensives Gefühl der Solidarietät im Leiden gehört.
“Empathie” hingegen ist bewußt kühl und gibt keine Garantie, daß sie uns in Richtung der Sympathie, des Mitgefühls, der Achtung und der Fürsorge führen wird. Die kühle, distanzierte, voyeuristische Eigenschaft macht die Empathie zu einer entscheidenden Fähigkeit in der Kunst des Liebens (Helfens).

Nur ein Narr schenkt sein Herz unterschiedslos jedem, der vorbeigeht.


Dienen!

Agosto 22, 2008


Letztes Mal habe ich den Text eines Liedes der Gruppe Ich + Ich mit dem Titel “Dienen” in den Blog gestellt, den ich heute ausführlicher kommentieren möchte. Ich finde den Text deshalb so wunderbar, weil er ein Thema anspricht, wo wir alle irgendwie in irgend einer Form, ob beruflich oder privat, mal damit zu tun haben.

In der Arbeit, im Privatleben, in der Liebe dienen wir irgendwem und doch fällt es vielen schwer zuzugeben, dass ich Mann vor meiner Frau schon mal in die Knie geh und sie um Verzeihung bitte, dass ich Arbeiter mich bei meinem Chef einschleime, um auf der Karriereleiter nach oben zu kommen, dass ich Verliebter mich bei meiner Angebetenen zum Affen mache, dass ich Sklave meiner Uhr bin.

Jedes Jahr beginnen Tausende von Menschen eine Tätigkeit, um anderen zu “dienen”.
Besonders die helfenden Berufe und ihre Arbeit beeinflussen unser Leben, unsere Gefühle und Entwicklung. Wer einen helfenden Beruf ergreift, hat gewöhnlich altruistische Motive. Er möchte anderen dienen, aber nicht nur, sie möchten auch einen Beitrag leisten, um die Welt “besser” zu machen.

Diese Dienerhaltung kann aber auch seine Anziehungskraft verlieren, wenn Idealismus und Engagement verloren gehen, wenn an die Stelle von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, Stechuhrmentalität und Zeitdruck das sagen haben. In den USA hat eine Umfrage bei Patienten an einem großen Krankenhaus ergeben, dass 90% der Befragten den Ärzten und Krankenschwestern mangelndes “Mitgefühl” bescheinigten und dass nur noch die Aufseher am industriellen Fließband als noch weniger empathisch eingeschätzt wurden.

Zu oft werden Patienten als “Krankheitsträger” oder “Problemträger” und nicht als Menschen, in einer gesundheitlichen Krise betrachtet. Wer nun meint dies könnte in Europa nicht passieren, der irrt. Der bürokratische Konformismus hat bereits dafür gesorgt dass “wirtschaftliche Überlegungen” die Kluft zwischen Verwaltungsexperten, Statistikern, Ökonomen und professionellen Praktikern vertieft.

Wenn weniger Hilfsbereitschaft und Engagement gezeigt wird, dann nimmt auch die Qualität ab, und Qualitätssicherung wird nur mehr zu einer leeren Floskel, dann bist du wirklich nur mehr Dreck für “Niemand”, weil “Niemand” mehr auf dich scheißt.